Grunderziehung

1. Die Erziehung beginnt in der ersten Stunde, in der wir einen Dalmatiner unser Eigen nennen. Zuallererst müssen wir uns unserem Hund verständlich machen, und das beginnt bei der Erziehung zur Stubenreinheit. Schon jetzt lernt das Tier dreierlei; – auf einen stets in gleicher Form gegebenen Befehl, also auf das Wort des Herrn zu achten und durch Ausführung des Befehls Lob und Belohnung zu ernten – bei einem Versagen ertappt und gerügt, aber keinesfalls gequält zu werden – bei zärtlicher Annäherung zärtlich empfangen und liebkost zu werden. Das Verständigungs und Vertrauensverhältnis zum Herrn wird begründet.

2. Welchen Befehl der Herr auch geben mag, selbst wenn er versehentlich etwas gesagt hat, was er gar nicht wollte, auf Befolgung des Befehls muss bestanden werden. „Sitz“ bedeutet Sitz und nicht Platz oder Spring. Wollte der Herr auch eigentlich sagen „Fuß“, so muss erst das „Sitz“ ausgeführt werden, dann folgt „Fuß“ oder was sonst immer. Unsere Befehle für unseren Hund sind immer gleich, knapp und verständlich, und ihre Durchführung kann nicht umgangen werden. Ist der Herr konsequent im Befehlen, wird es der Hund ihm befolgen. Das Unterordnungsverhältnis zum Herrn wird aufgebaut.

3. Der Herr muss sich darüber im Klaren sein, dass ein durch Lob eingeführtes und gefestigtes Verhalten lebenslang anhält und später kaum noch zu ändern ist, wenn überhaupt, dann nur mit Schwierigkeiten und Enttäuschung. Lob für das Bellen des Hundes bei Annäherung eines Fremden bewirkt, dass er wachsam und mehr oder weniger bellfreudig wird. Verweis des Bellens bewirkt, dass der Hund auch später das Bellen unterlassen wird, was besonders bei Hunden wichtig ist, die in Häuserblocks wohnen sollen. So wird in der Hundekindheit der Grundstein für das lebenslange Verhalten des Hundes gelegt.

4. Leinenführigkeit ist nicht nur im Blick auf Ausstellungen oder späterer Ausbildung, sondern als Erfordernis des täglichen Lebens durchzusetzen. Viele Dalmatiner gehen lieber und schöner frei bei Fuß als an der Leine, was interessante Rückschlüsse auf ihren Freiheit und Selbständigkeit liebenden Charakter zulässt. In unserer eingeengten und nicht zuletzt durch Tollwutgefahr beschränkten Welt muss aber der Hund ohne Qual für sich selbst und den Herrn an der Leine gehen können. Das wird nicht erreicht durch dauerndes Zerren am Halsband, sondern durch kurzes, scharfes Anreißen der Leine, wenn der Hund zieht, und durch Lob, wenn er gesittet geht. Die Leinenführigkeit zu lernen ist die erste wahre Arbeit für Herrn und Hund, der viele andere Arbeiten folgen mögen. Übrigens ist die Leine keine Peitsche zum Strafen. Ihr Anblick soll den Hund nicht erschrecken, sondern Vorfreude auf den Ausgang auslösen, sie soll Herrn und Hund vereinen, nicht trennen. Die Leine ist äußeres Zeichen der Verbundenheit von Herrn und Hund in ihrer Arbeit und muss immer ein lustvolles Zeichen sein.

5. Zum Ende ein kleiner Ratschlag im Blick auf Ausstellungen und Leben zum Umgang unseres Hundes mit Artgenossen. Diese dürfen beim Spaziergang auf die bekannte Hundewiese zur Kenntnis genommen und begrüßt werden, es darf ein kleines Spiel stattfinden, aber von Raufern müssen wir unseren Hund fernhalten, damit seine freundliche Grundhaltung nicht zerstört wird. Wir müssen die anderen Hunde eben gut beobachten. Im Ernstfall müssten wir versuchen, unseren Hund vor einem bösen Artgenossen zu schützen, wie wir seinen Schutz vor bösen menschlichen Artgenossen erwarten. Vergessen wir nie, wir sind es, die durch Handeln und Unterlassen unseren
Hund bilden. Fragen wir uns, wenn er Fehler macht, stets und zu allererst, was wir falsch gemacht haben, dann behandeln wir ihn wenigstens nicht ungerecht.

Auszug aus dem Buch, ,Der Dalmatiner“ von Frau Dr. E. Wagner

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